Jürgen Greiner Autor

Wenn Opfer zu Gehilfen werden ...

Dieser Beitrag ist die gedankliche Fortsetzung des Beitrags „Wie Betrüger anonym an Ihr Geld kommen“, welchen Sie zuerst lesen sollten. Darin habe ich ausgeführt, dass es mit etwas Raffinesse und Ideenvielfalt relativ leicht ist, im Internet eine andere Person zu betrügen. Dass sich Betrugstaten noch in Grenzen halten, liegt an zwei Faktoren: Erstens darf man als Täterschaft dabei kein Gewissen haben, weil man letztendlich einen Menschen, der einem vertraut hat, skrupellos abzockt und damit im höchsten Grad asozial handelt, denn wenn in unserer Gesellschaft keiner mehr dem anderen trauen kann, dann ist dies für alle nicht gut.

Doch selbst die Menschen, die auch mal ihr Gewissen beiseite legen können oder schon gar kein schlechtes Gewissen mehr haben, weil sie zum Beispiel sich selbst von der Gesellschaft benachteiligt fühlen, hält noch ein anderer Faktor ab: Die Angst vor der Strafverfolgung. Jemanden hinter das Licht zu führen, ist kein Kunstwerk, zumindest, wenn man dabei keine Gewissensbisse bekommt. Aber das ergaunerte Geld (oder auch die ergaunerte Ware) unerkannt in Empfang nehmen zu können, ist das größte Hindernis, welches die Täterschaft überwinden muss. Wer sich Geld auf sein eigenes (inländisches) Konto überweisen lässt, der bekommt im Falle eine Anzeige irgendwann Besuch von der Polizei und Post von der Staatsanwaltschaft.

In dem Beitrag „Wie Betrüger anonym an Ihr Geld kommen“ habe ich davor gewarnt, keine Bargeld-Transfers (Western Union, Moneygram, etc.) und keine Überweisungen ins Ausland vorzunehmen. Aber zwischenzeitlich hat die Gemeinde der Internet-Betrüger auch Wege gefunden, deutsche (also inländische) Konten für ihre Zwecke zu gebrauchen und dennoch unerkannt zu bleiben. „Wie geht das?“, werden Sie sich jetzt fragen. Die Antwort darauf ist erschreckend: Sie machen andere, ahnungslose Menschen zu ihren Gehilfen und damit zu Opfern und Tätern zugleich. Wie das geht, will ich in diesem Beitrag erläutern:

Der Täterschaft kommt dabei zu Gute, dass sich die Bankenlandschaft in den letzten Jahren grundlegend geändert hat. In der kleinen Stadt, wo ich lebe, gab es früher eine Sparkasse, eine Volksbank und dann auch noch die Postbank. Mehr gab es nicht und deshalb war anzunehmen, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung hier sein Girokonto hatte, vielleicht auch mehrere. Um ein solches Konto zu eröffnen, musste man die Bank aufsuchen, einen Antrag auf Papier unterschreiben und seinen Personalausweis vorzeigen, welcher kopiert und zu den Unterlagen genommen wurde. Damit stand die Identität des Kontoinhabers fest und das Konto konnte benutzt werden.
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Jessica und die Odenwaldbande
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