Jürgen Greiner Autor

Ein Fall von Love-Scam:
Auszug aus "Jessica und die Odenwaldbande, 1. Buch
Fortsetzung Seite 2

„Ich weiß nicht, ob das überhaupt ein Kriminalfall ist und ich weiß auch nicht, wo ich am besten anfangen soll. Ich habe lediglich einen Verdacht und wenn der falsch wäre, dann hätte ich mich unsterblich blamiert. Vielleicht besser so, dass ich Sie getroffen habe. Wollen wir uns nicht duzen, dann redet es sich leichter?“, beendete Martina ihre ersten Ausführungen. „Gerne, Martina“, antwortete Jessica, „aber ich kann Dir nur helfen, wenn Du mir auch sagst, worum es geht. Am besten Du beginnst Deine Geschichte von Anfang an.“

„Also, ich bin Anfang 50 und bin geschieden“, begann Martina ihre Ausführungen. „Du siehst aber immer noch sehr attraktiv aus“, bemerkte Jessica. „Danke für das Kompliment“, entgegnete Martina. „Ich habe auch immer gerne Sex mit Männern gehabt und habe bestimmt nichts anbrennen lassen. Dann war ich sechs Jahre verheiratet und unsere Ehe endete damit, dass mein Mann mich von heute auf morgen verließ.“ „Lass mich raten“ unterbrach Jessica, „er hatte eine Affäre mit einer anderen Frau.“ Martina schüttelte leicht ihren Kopf. „Das wäre kein Grund gewesen, da bin ich tolerant. Er hatte keine Affäre, er hatte ein Kind mit einer anderen Frau. An dem Tag, als er ging, habe ich erfahren, dass das Kind schon beinahe 2 Jahre alt war. Er muss also zwei Jahre lang regelrecht ein Doppelleben geführt haben.“ „Seid ihr geschieden?“, fragte Jessica nach. „Seit einem halben Jahr“, antwortete Martina. „Und bekommst Du Unterhalt?“, fragte Jessica.

„Entschuldige, das geht mich gar nichts an, sorry, aber ich habe auch Jura studiert und manchmal geht die Juristin mit mir durch“, entschuldigte sich Jessica. „Kein Problem“, antwortete Martina. „Nein, Unterhalt bekomme ich keinen, da ich selbst gut verdiene und außerdem während des Trennungsjahres geerbt hatte. Ich war also froh, dass wir vorher den gegenseitigen Verzicht auf Unterhalt vereinbart hatten. Kinder hatten wir glücklicherweise keine.“

„Ich war also wieder frei“, fuhr Martina fort, „aber da ich sechs Jahre nicht mehr auf dem Markt war, fiel er mir nicht mehr so leicht als früher, neue Bekanntschaften zu machen. Ich habe dann entsprechende Lokalitäten aufgesucht und hatte auch zahlreiche One-Night-Stands, die wirklich nicht schlecht waren, aber zu einer Beziehung hat es nicht mehr gereicht. Meine Liebhaber waren zwar alle nicht schlecht und ich habe den Sex auch wirklich genossen, aber kaum waren sie da, da waren sie auch schon wieder weg. Die meisten waren vermutlich eh verheiratet, so genau wollte ich das gar nicht wissen.“

Jessica hatte ihr aufmerksam zugehört. „Das ist bis jetzt nicht strafbar“, stellte sie zögerlich fest. Ich sag das bloß, weil Du ja mit der Geschichte zur Polizei wolltest“, erklärte sie. „Nein“, antwortete Martina, „aber wenn Du meine Geschichte begreifen willst, dann musst Du diese Vorgeschichte wissen.“ Jessica hob entschuldigend die Hand: „Sorry, erzähl weiter.“

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Jessica und die Odenwaldbande
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