Jürgen Greiner Autor

Ein Fall von Love-Scam:
Auszug aus "Jessica und die Odenwaldbande, 1. Buch
Fortsetzung Seite 6

Jessica hatte weiter aufmerksam zugehört. „Aber dann muss doch noch etwas passiert sein“, fragte sie nach. „Stimmt“, antwortete Martina. „Wir vereinbarten ein Treffen in Heidelberg. Er hatte mir geschrieben, wann er wieder aus der Türkei zurück sein würde und tags darauf wollten wir uns treffen. Zwei Tage vor dem Termin bekam ich dann plötzlich keine Nachrichten mehr von ihm.“

Jessica hatte nach wie vor aufmerksam zugehört. „Hast Du erfahren, was passiert ist?“ fragte sie dann nach. Martina schüttelte den Kopf. „Absolute Funkstille. Ich schrieb ihm fast stündlich, bis ich erkannte, dass dies offenbar keinen Wert hatte.“ – Hattest Du irgendeine Adresse, wo Du hättest nachfragen können?“, fragte Jessica. Martina schüttelte erneut den Kopf. „Nein, eben nicht. Da hatte ich mit dem Mann eine geraume Zeit alles möglich ausgetauscht, die Bilder und die Videos inklusive, aber wo er arbeitet, dass wusste ich nicht.

Ich überlegte mir schon, zur Polizei zu gehen, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben, aber das habe ich gelassen. Ich wusste nicht einmal, wo er genau wohnt, ganz zu schweigen davon, wo er sich in der Türkei aufhalten könnte. Ich habe lediglich beim Auswärtigen Amt nachgefragt, ob dort etwas bekannt sei. Aber auch Fehlanzeige.“

Martina machte eine kleine Pause. Jessica wartete ab und sagte nichts. Martinas Gesichtsausdruck verriet ihr, dass sie gleich fortfahren würde, was dann auch kurze Zeit später auch tatsächlich geschah: „Dann meldete sich bei mir via WhatsApp ein Mann namens Abdul, der sich als Kollege von Marcus vorstellte und mit nur mitteilte, dass dieser verhindert sei. Er gab mir seine Handynummer, wo ich anrufen könne, um Näheres zu erfahren.“

„Und? Hast Du angerufen?“, fragte Jessica nach. „Habe ich. Der Mann war sehr freundlich und sagte mir, dass er auch nicht genau wisse, was passiert sei. Er bot mir jedoch an, dass wir uns treffen könnten, dann würde er mir alles genau erklären, denn er sei gerade bei der Arbeit und könne nicht lange sprechen. Das habe ich akzeptiert, doch am gleichen Abend trafen wir uns in Heidelberg, nachdem seine Schicht zu Ende gewesen war.

Er teilte mir mit, dass Marcus vermutlich in der Türkei überfallen und dabei schwer verletzt worden war und in einer Klinik liegen würde. Er habe diese Information erhalten, als die Firma einen Anruf aus der Türkei erhalten habe. Da er Deutsch-Türke sei und als einer der wenigen in Kreis der Ingenieure türkisch spreche, habe man ihn ans Telefon gerufen, jedoch sei die Verbindung sehr schlecht gewesen.

Die Frau am Telefon habe ihm dann eine Telefonnummer gegeben und gebeten, die Frau, der diese Nummer gehört, zu informieren, dass er nicht zum Treffen kommen könne. Dann riss die Verbindung ab. Mehr wisse er auch nicht.“

„Weißt Du inzwischen mehr?“, fragte Jessica nach. Martina nahm einen Schluck ihres Cappuccinos und fuhr fort: „Ich fragte ihn, ob man seitens der Firma schon Nachforschungen angestellt habe. Ja, antwortete er, das habe man. Man habe Kontakt zu dem Projektteam aufgenommen, aber man könne sich erst in ein paar Tagen darum kümmern, weil der Zeitplan so eng sei und außerdem spreche keiner der Ingenieure türkisch, sodass zu Recherchen der einzige Dolmetscher abgezogen werden müsse.

Dann sagte er mir, dass er gerne in die Türkei fliegen würde, aber ihm fehle dazu das Geld. Da ich unbedingt Gewissheit haben wollte und der Mann in Fleisch und Blut vor mir saß, habe ich ihm vertraut und 1.000 EUR in bar gegeben“.

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Jessica und die Odenwaldbande
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